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Barrierefreie PDFs? Nicht ohne Barrieren!

4. März 2009

Menschen mit besonderen Bedürfnissen haben im Internet kein leichtes Los. Zu viele Barrieren hindern sie daran jene Informationen zu konsumieren, die für Otto Normalverbraucher selbstverständlich sind. Ein Aspekt der Barrierefreiheit im Internet ist es, Dokumente zugänglich zu machen. Ein berühmter Vertreter ist das PDF (Portable Document Format – tragbares Dokumentenformat). Das PDF wurde aus jenem Grund geschaffen, damit es auf allen Plattformen genau gleich aussieht. Öffnet man ein PDF unter Windows, Linux oder Apple, sieht es immer gleich aus.

Der Versuch dieses PDF barrierefrei zu machen, ist allerdings gar nicht so einfach. Neben einigen formalen Richtlinien, sind es vor allem die dazu benötigten Programme, die einem das Leben schwer machen.

Windows
Hier gibt es die wenigsten Probleme. Der Text wird zunächst in Programmen wie Word eingetippt und via Adobe Acrobat als PDF exportiert. Wichtig ist, dass man nicht über den Druckerdialog ein PDF erstellt. Hier fallen ansonsten die Tags (Etikette) weg. Diese werden aber benötigt um Screenreadern (Programme die seheingeschränkten Menschen ein Dokument oder Website vorlesen) eine Basis für die Strukturierung zu bieten. In Adobe Acrobat editiert man die Tag-Struktur beziehungsweise die Lesereihenfolge und kann das Dokument dann speichern. Diese Beschreibung ist allerdings nur eine einfache Zusammenfassung aller Zwischenschritte. Genauere Informationen sind unter der Website Best of Accessibility zu finden.
Das erste Problem tritt bei Office 2007 und dem in Microsoft Office integrierten PDF-Maker auf (ist nur vorhanden, wenn Adobe Acrobat am Rechner installiert wurde). Die Tags werden mit teilweise unvollständigen Bezeichnungen hinterlegt. So heißt eine Überschrift erster Ebene Überschrift 1, korrekt wäre aber die Bezeichnung H1. In weiterer Folge versteht der Screenreader diesen Tag nicht, er kann schließlich nicht in allen Sprachen das Wort Überschrift interpretieren. Hier muss man tiefer in die Tag-Struktur eingreifen und alle Überschrift 1-Tags ändern. Bei einigen Hundert Seiten ist das viel Aufwand. Besser macht es OpenOffice. Hier wird die Tag-Struktur nach dem Export besser aufgebaut. Die Überschriften heißen Korrekt H1, H2 und so weiter. Auch wird für den Export selbst kein Adobe Acrobat benötigt. Erst bei der Nachbearbeitung kommt man um dieses Adobe-Programm nicht herum.

Apple
Beim Versuch auf MacOS X barrierefreien PDFs zu erstellen bin ich zunächst gescheitert. Natürlich kann man erneut mit OpenOffice arbeiten, allerdings hat OpenOffice den Nachteil, dass es viele Word-Schriften nicht kennt und die Formatvorlagen optisch nicht gleich sind. Arbeitet man aber trotzdem in OpenOffice, so verhält sich der Workflow (Arbeitsfluss) wie unter Windows.
In Word 2008 (das ist die Apple Version) kann das PDF nur über den Druck-Dialog erzeugen. Und dieser vernichtet die Tags. Somit hat man hier schon die erste Barriere. Die zweite Barriere besteht darin, dass man in Word keinen PDF-Erzeugen-Dialog hat, wie man es unter Windows gewöhnt ist. Der Grund dafür liegt darin, dass Office 2008 kein VBA  (Visual Basic for Applications) unterstützt. Ich habe aber einen Hinweis bekommen, dass mit einem angepassten Acrobat-Profil PDF mit Tags erstellt werden können.

Ich werde auf jeden Fall an diesem Problem dran bleiben und hoffe eine Lösung mit Word 2008 und Acrobat Pro 9 zu finden.

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